Grabpflege

Gräber mit Bedacht pflegen

Der Herbst ist traditionell die Zeit, in der viele Menschen einen Friedhof aufsuchen. Hinterbliebene bereiten die Grabstätten ihrer Verstorbenen nicht nur für die stillen Tage des Gedenkens im November, sondern auch schon für den Winter vor.

Gräber werden gesäubert und neu bepflanzt, Grabsteine überprüft und besonderer Schmuck wird auf so mancher Gedenkstätte platziert. Das hat zwei Gründe. Zum einen stehen im November die Totengedenktage wie Allerheiligen an, und zu diesem Anlass ist es gute Tradition, die Gräber besonders herzurichten. Zum anderen ist es nicht mehr lang, bis der Winter kommt – und für diese dunkle und kalte Jahreszeit müssen die Gräber vorbereitet werden. „Das Grab ist ein Spiegel des Lebens des Verstorbenen. Es drückt Religiosität und Weltanschauung aus und bezieht sich auf eine menschliche Grunderfahrung“. „Deshalb sollte die Grabgestaltung sowohl zum Leben des Verstorbenen als auch zum Leben an sich passen.“, „Zu Weihnachten stehen keine frischen Erdbeeren auf dem Speiseplan, ebenso wenig passen Frühlingsblumen in der kalten Jahreszeit auf ein Grab.“

Deshalb sollten Hinterbliebene ruhig die Kargheit des Winters aufgreifen und das Grab dementsprechend gestalten. „Es muss nicht immer bunt und schön sein. Das trifft ja auch auf das Leben nicht zu.“ Das Grab dürfe zudem nicht zur Repräsentanz der eigenen Bürgerlichkeit werden. Es sei ein Grundstück der Familie, bei dessen Gestaltung es um den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gehe – und weniger um die Meinung der Nachbarn und übrigen Friedhofsbesucher. Weniger sei oft mehr, es gelte, Schwerpunkte bei der Bepflanzung und dem Schmuck zu setzen. „Mit kleinen Symbolen, die einen wirklichen Tiefengehalt für den Verstorbenen und die Erinnerung an ihn haben, erreicht man mehr als mit einem überfüllten Grab“. Wichtig dabei: den Mut zu haben, auch unkonventionelle Wege bei der Grabgestaltung zu gehen. „Geschmacklos sollte es aber nicht werden.“ Nicht aufs Grab gehören unter anderem elektrische Lichter.

„Diese Produkte sind sowohl ästhetisch als auch ökologisch eine Zumutung. Da ist es besser, ein Dauergrablicht zu entzünden und im Zweifel die ausgebrannte Kerze bis zum Wechsel stehen zu lassen.“ „Inspiration holt man sich besser beim Friedhofsgärtner als bei der Bundesgartenschau“.

Grüne Gießkannen auf einem Friedhof.

Die Friedhofsgärtner sind die Experten für die nachhaltige und jahreszeitlich passende Grabpflege. Sie wissen, welche Pflanzen wann passen und können weitgehend pflegefreie Grabanlagen gestalten. Das muss nicht teuer sein. Wer sich ohne viele Sonder-wünsche jeweils im Frühling und im Herbst das Grab professionell gestalten lasse, bezahle pro Saison etwa 100 Euro. Zum Herbst gehört laut dem Bestattungsexperten übrigens auch, die Standfestigkeit des Grabsteins zu prüfen. Ein rein technischer Aspekt, der aber durchaus Sinn ergibt: Denn ein fest verankerter Grabstein übersteht auch die Stürme im Herbst und Winter.

Autor:
Dipl.‐Theol. Oliver Wirthmann,
Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e.V.