Geleitwort Erzbistum Berlin

Portrait von Herrn Przytarski, Generalvikar beim Erzbistum Berlin.

Auf unserem Hedwigs-Friedhof haben wir ein altes Gräberfeld wieder herrichten lassen. Dort sind Zwangsarbeiter begraben, die in Berlin während des Zweiten Weltkriegs verstarben.

Sie liegen dort also seit fast 70 Jahren, gesetzliche Ruhezeiten sind also längst abgelaufen. Aber nach wie vor kommen Angehörige der zweiten und dritten Generation, um hier ihrer Toten zu gedenken, teilweise von weit her.

Es ist ein Beispiel dafür, wie sehr wir Orte benötigen für unsere Trauer, auch wenn wir uns mit unseren Verstorbenen auf andere Weise verbunden wissen. Es geht nicht um pompöse Repräsentation mit beeindruckenden Grabdenkmälern, es geht um die Gewissheit, der Mensch, der mir nahe stand, ruht in Frieden. Auf diese Weise kann das Grab Versöhnung stiften, auch wenn das Leben durch Krieg, Krankheit oder Zwang beendet wurde.

Der Friedhof ist in unserem Verständnis nicht nur ein Ort für die Toten, er ist ein Ort für die Lebenden. Sie können dort Abschied nehmen und sich dafür Zeit lassen, denn sich von einer guten Freundin oder einem nahen Verwandten zu verabschieden, das geht sicherlich nicht auf einmal.

Genauso ist die Trauerfeier nicht nur eine Feier für den Verstorbenen, sie ist für uns als christliche Gemeinde ein Dienst an den Trauernden. Die überlieferten Gebete, Gesänge und Texte für den Trauer-Gottesdienst und bei der Beerdigung tragen vielfach, wenn Schmerz und Trauer übergroß werden. Sie bieten keinen billigen Trost oder gar eine Vertröstung.

Wir glauben an einen Gott, der selbst getrauert hat, der als Mensch wie wir Verlust und Schmerz genauso gekannt hat wie wir, der uns nahe ist im Leid.

Wir glauben als Christen an die Auferstehung, aber wir wissen auch, dass wir Ostern ohne Karfreitag nicht feiern können.

Prälat Tobias Przytarski
Generalvikar Erzbistum Berlin
http://www.erzbistumberlin.de/